Agean Ro-Boat Race in Syros
Nach erfolgreicher Teilnahme an der SailBot 2024 (Link zum Artikel) in den USA hat das Sailing Team Darmstadt an einem weiteren Wettbewerb teilgenommen. Diesmal verschlug es uns nach Syros, einer griechischen Insel der Kykladen. In dem Wettkampf traten verschiedene autonome Boote aus aller Welt in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Das Event war Teil des IEEE Symposium on maritime Informatics & Robotics, bei dem wir auch ein Paper präsentiert haben. Angetreten an dem Wettbewerb sind wir mit unseren neuesten Prototypen „Tölpel“.

Anreise nach Syros
Mit den Erfahrungen des Transports von unserem Segelboot in die USA letztes Jahr und kleinen Verbesserungen an unserer Transportbox haben wir uns auf den Weg nach Griechenland gemacht. Unsere Reise begann früh morgens in Darmstadt, von wo wir zum Frankfurter Flughafen gefahren sind und dort unser Boot, gut verpackt, als Sondergepäck in das Flugzeug aufgegeben haben. Der Flug nach Athen und auch die Fahrt mit der Fähre nach Syros verlief reibungslos. Angekommen in unserer Unterkunft für die nächste Woche hatten wir einen super Ausblick über die Hauptstadt der Insel, welche ebenfalls eine lange Schiffsbau Geschichte besitzt.

Bootstests und Wettkampfvorbereitung
Wir hatten zwei Tage vor dem Wettkampf und dem Symposium Zeit, um unser Boot das erste Mal im Meer zu testen. Den ersten Tag haben wir genutzt, um den Rumpf und die mechanischen Elemente auf Wasserdichtigkeit zu testen. Nach ein paar kleinen Anpassungen war unser Boot dann segeltüchtig und wurde das erste Mal ins Meer gelassen. Als Nächstes haben wir die Elektronik in dem Rumpf verbaut und alles verkabelt. Nach kurzen Tests an Land konnten wir nun auch unser Segelboot per Fernbedienung auf dem Meer steuern. Nebenbei haben wir das gute Wetter und das Wasser genutzt, um regelmäßige Badepausen zu machen. Nach einem langen Tag in der Sonne haben wir abends gekocht und sind noch über die Software für die autonome Steuerung, welche wir am nächsten Tag testen wollten, gegangen.
Am nächsten Tag sind wir wieder zu dem gleichen Ort, einem kleinen Dorf auf der anderen Seite der Insel, gefahren, um unser Segelboot im autonomen Zustand zu testen. Leider traten bei dem Versuch erneut mechanische und elektrotechnische Probleme auf, was die Tests verzögert hat. Ein Problem, welches immer wieder auftrat, war, dass wir unsere Inertial Measurement Unit (IMU) mehrfach neu kalibrieren mussten. Die IMU ist essenziell für das autonome Segeln, weil diese die Orientierung des Bootes misst. Zum Kalibrieren musste das Boot jedes Mal von uns händisch um seine Achsen gedreht werden, was von außen sehr unterhaltsam aussah, besonders für die Einheimischen. Nach weiteren kleinen Fixes am Boot waren wir endlich in der Lage unser Boot autonom fahren zu lassen. Mit allen Hardwareproblemen aus dem Weg geräumt, konnten wir uns nun daran machen, die Softwareprobleme zu beheben, was wir auch zum Großteil hinbekommen haben. Den Tag haben wir dann mit einem Abendessen im lokalen Fischrestaurant direkt neben unserem Testort beendet.

Das Maritime Symposium
Die Vorbereitung hat sich ausgezahlt, und trotz einigen Ausfällen und spontanen Reparaturen konnten wir erfolgreich testen. Im entscheidenden Moment gab es leider Software-Probleme. Aber als einziges Segelboot zwischen Motorbooten auf dem Ro-Boat Race starteten wir sowieso außer Konkurrenz. Einen offiziellen Zweitversuch konnten wir leider wegen Zeitproblemen und Ärger mit dem Hafenmeister nicht wahrnehmen, nach Ende der Wertung konnten wir aber dann doch noch autonomes Segeln zeigen.Am dritten Tag nach unserer Ankunft fand das Symposium in der Hauptstadt der Insel in einem schönen alten Theater statt. Nach einem Empfang wurden den ganzen Tag über verschiedene Paper von Wissenschaftlern in Bereich Maritimer Informatik und Robotik vorgestellt. Es waren viele interessante Vorstellungen dabei und der Austausch mit den Menschen, die ihre Arbeit vorgestellt haben, war aufschlussreich.
Auch wir haben ein Paper, welches von einem Teammitglied von uns geschrieben wurde, vorgestellt. Das Paper handelte von der Auslegung und den Hintergründen der Antenne, welche ebenfalls als Teil des Masts dient, unseres neusten Boots. Hier geht es zum detaillierten Beitrag.
Am Abend gab es ein offizielles Dinner mit allen Teilnehmern des Symposiums. Dort konnten wir uns weiter mit verschiedenen Wissenschaftlern austauschen und Kontakte knüpfen.

Das RoBoat Race
Am folgenden Tag fand dann endlich der Hauptgrund für unsere Reise, das RoBoat Race, statt. Da der Wettkampf erst am Nachmittag begann, nutzen wir den Vormittag, um letzte Tests direkt am Wettkampfort durchzuführen. Dabei konnten wir auch noch kleine Fehler in der Hardware sowie der Software verbessern.
Bevor die Boote in den Disziplinen gegeneinander antraten, haben alle Teams eine kleine Präsentation über die Entwicklung und den Bau ihrer Boote gehalten. Nach den Vorträgen war es Zeit für den tatsächlichen Wettbewerb. Es gab zwei Kategorien, in denen die Boote gegeneinander antreten mussten. Die erste Disziplin war ein klassisches Wettrennen über eine gerade Strecke, die mit Bojen eingegrenzt war. Dabei ging es darum, die Geschwindigkeit des Bootes unter Beweis zu stellen. Da wir das einzige Segelboot waren, welches an dem Wettbewerb teilnahmen, sollten wir nicht direkt gegen die Motorboote antreten, sondern hatten einen eigenen Durchlauf gegen die Zeit. Die zweite Disziplin bestand daraus eine Boje, welche im Wasser platziert wurde zu umfahren. Dabei wurde besonders die Fähigkeit der Boote autonom eine Route zu planen und auszuführen unter Beweis gestellt. Da wir als einziges Segelboot am Wettbewerb angetreten sind, waren wir auch in einer eigenen Bewertungskategorie und somit außer Konkurrenz der anderen Teams. Trotzdem sind wir sehr stolz darauf, dass Tölpel das erste Mal erfolgreich autonom gefahren ist und dass im offenen Meer.
Der Austausch mit den anderen Teams war sehr spannend und es war eine freundliche Stimmung während des Wettrennens.

Letzte Tage in Griechenland und Abreise
Nach dem Wettbewerb hatten wir noch einen Tag, um uns etwas am Strand zu entspannen und mit dem Boot herum zu spielen. Leider ist die unsere geplante Fähre am Tag der Rückfahrt wegen zu starkem Wind ausgefallen, weshalb wir einen Tag länger auf Syros bleiben mussten als geplant. Nach dem kurzfristigen Umplanen der Rückreise und der Suche nach einer neuen Unterkunft für die zusätzliche Nacht auf Syros, haben wir die letzten Tage auf der schönen Mittelmeer Insel genossen. Mit der neuen Fähre und Flug, einen Tag später, gab es zum Glück keine weiteren Probleme mehr, sodass wir nach einer Woche zurück in Darmstadt angekommen waren.

Fazit
In der Woche auf Syros haben wir viel gelernt und eine gute Zeit gehabt. Wir haben die erste autonome Fahrt mit Tölpel erfolgreich gemeistert und waren das Beste, wenn auch einzige, Segelboot des RoBoat Race. Trotzdem hatten wir einen spannenden Wettkampf und als Team viel von der Reise mitgenommen. Wir werden diese Energie nutzen und weiter an unseren Booten zu arbeiten und in Zukunft an weiteren Wettbewerben teilzunehmen.



